Momentum

von Lot Vekemans

Spätestens seit den Underwoods in »House of Cards« – oder um ein positives Beispiel zu nennen: seit den Obamas – wissen wir, dass hinter einem mächtigen Mann meist eine ebenso starke Frau steht, die jedoch immer noch viel zu selten ihr höchsteigenes Potential in die Waagschale wirft. So verhält es sich auch bei Ebba Hoffmann, die ihrem Mann Meinrad, einem Politiker auf höchster Ebene, stets den Rücken gestärkt, seine politischen Ideale mitentwickelt, ihn durch alle Krisen hindurch manövriert hat. Doch jetzt steht es Spitz auf Knopf: Meinrad ist ausgelaugt. Schon seit geraumer Zeit nimmt er heimlich Antidepressiva, Tranquilizer und Aufputschmittel – er kann nicht mehr und zweifelt, ob er wirklich weiter im Amt bleiben soll. Sein Berater versucht mit allen Mitteln, die Fassade aufrecht zu halten, zur Not mit Ebbas Hilfe, die auf einer Parteiversammlung emotional um Verständnis für ihren Mann werben soll. Doch Ebba ist nicht mehr bereit dazu: Die nicht ganz freiwillige Beschäftigung mit ihrer Vergangenheit, unter anderem in Form eines ungeborenen Kindes, hat Folgen: Sie will die gemeinsamen politischen Visionen selbstständig verwirklichen – und Meinrad im Amt beerben! Wird er sie dabei so unterstützen, wie sie es bisher für ihn getan hat?

Die niederländische Autorin Lot Vekemans schickt ihre Figuren auf unsicheres Terrain: Dort, wo Macht zum Maßstab persönlichen Erfolges degeneriert ist und nicht mehr der gesellschaftlichen Gestaltung dient, muss eine politische Landschaft neu definiert werden. »Momentum« plädiert für den Mut zum grundlegenden Wandel.