Jenseits von Eden

nach dem Roman von John Steinbeck // in einer Fassung von Ulrike Syha

Es sind flüchtige unbewusste Momente wie dieser: Der Vater freut sich über das Geschenk des einen Sohns – ein zufällig aufgelesener räudiger Welpe – und legt das liebevoll ausgesuchte, hart ersparte Taschenmesser, das ihm der andere Sohn schenkt, achtlos beiseite. So wird zwischen den Brüdern Adam und Charles Trask in der Konkurrenz um die Vaterliebe Neid, Zwist und verdeckter Hass geboren, der sich auch in die nächste Söhnegeneration Aron und Caleb fortpflanzt. Gut und Böse scheinen dabei determinierte Zuweisungen zu sein, biblisch manifestiert in der Geschichte von Kain und Abel. Doch das Leben »jenseits von Eden«, in das der biblische Kain verbannt wurde, ist komplizierter, denn irgendwann hat das »Nicht-Handeln« der vermeintlich Guten ähnlich fatale Folgen wie das »Schlecht-Handeln« derjenigen, die das »Kainsmal« auf der Stirn tragen. John Steinbecks großes Familienepos von 1952 wurde unter anderem durch die Verfilmung mit James Dean weltberühmt. Seine Uraufführung auf dem Theater erlebte der Stoff erfolgreich 2011 in Basel.