Kaum eine Dichterin hat ihre Literatur so mit Musik, Oper und Film verwoben, kaum eine hellsichtiger mit dem Patriarchat abgerechnet. Zum 100. Geburtstag der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann entwickeln die Komponist:innen Karola Obermüller und Peter Gilbert gemeinsam mit Librettistin Tina Hartmann die erste musiktheatrale Adaption ihres Romans »Malina« und erforschen, wie eng die poetische Rede Bachmanns mit dem Singen verwoben ist. Wir begegnen darin einer namenlosen Ich-Erzählerin, die mit ihrem männlichen Alter-Ego Malina zusammenlebt, während sie mit Ivan ein scheinbares Glück erlebt, das von Anpassung und künstlerischem Verstummen geprägt ist. Von albtraumhaften Erinnerungen des im Vater verkörperten Patriarchats heimgesucht, verschwindet sie am Ende in einer Spalte in der Wand: »Es war Mord«. Aber was endet hier? Und wie lässt sich das Verstummen der weiblichen Stimme im Gesang überhöhen? Für das Theater Aachen komponiert, erlebt die Oper in der Regie von Franziska Angerer ihre Uraufführung im Rahmen der renommierten Schwetzinger SWR Festspiele, bevor die Aufführungsserie in Aachen fortgesetzt wird.
Hinweise zur Darstellung, zum Inhalt und zu sensorischen Reizen und Triggern stehen hier.
#pressestimmen
»Man würde es kaum für möglich halten, aber Obermüller und ihrem Partner Gilbert ist es tatsächlich gelungen, aus Ingeborg Bachmanns 1971 veröffentlichtem Roman „Malina“ eine Oper zu machen. Vor allem ist es Tina Hartmann geradezu bewundernswert gelungen, den Roman zu einem Libretto zu verdichten, ohne die Vielfalt von Bachmanns Sprachformen zu beseitigen.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Wenn Akbari und Sabadus ziemlich früh die slowenischen Worte für „ich und du“ singen – „jaz in ti“ –, verschmelzen beider Stimmen in überschießender Schönheit.«
»Die Musik von Karola Obermüller und Peter Gilbert, die Inszenierung von Franziska Angerer und das ausgezeichnete Ensemble machen die Produktion zu einem Erfolg.«
»Ich – die ausgezeichnete, sehr intensive Sopranistin Larisa Akbari – ist die ganze Zeit auf der Bühne präsent.«
»Malina, gesungen vom intonationssicheren Countertenor Valer Sabadus, muss auch viel sprechen – und tut das ausdrucksstark.«
»Anders Ivan, der Vater und Liebhaber: Micah Schroeder gibt ihn mit messerscharfem, fast kaltem Bariton, ist immer nah dran und bleibt doch entfernt.«
»Die Aachener, mit den Schwetzinger SWR Festspielen koproduzierte Produktion von „Malina“ ist eine Art Melting Pot, ein Schwitzkasten der Reflexion, ein Leben ohne Ausweg, weil das Leben in dieser Gesellschaft für „Ich“ einfach nicht funktioniert – und sie keine Hilfe findet. Ein sehr trauriger Befund zum 100. Geburtstag der bedeutenden Lyrikerin, zugleich eine beeindruckende Aufführung und eine sorgfältige, ungewöhnliche Komposition.«
Die Deutsche Bühne


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