Der Fall Schwerte (AT)

von Nis-Momme Stockmann

Uraufführung / Auftragswerk

Er zog einen wortwörtlichen Schlußstrich in sein Tagebuch und aus Hans Schneider – SS-»Hauptsturmführer « und stellvertretender Direktor der SS-Organisation »Ahnenerbe« – wurde Hans Schwerte: linksliberaler Germanist, »Faust«-Experte, Bundesverdienstkreuz- Träger und Rektor der RWTH Aachen. Erst 1995 machte er selbst, unter Druck geraten, seinen Betrug öentlich: Schneider hatte sich nach 1945 für tot erklären lassen, eine neue Identität angenommen, seine eigene Witwe geheiratet und »einfach so« ein zweites Leben bekommen, eine zweite Karriere, eine weiße Weste. Der Fall Schwerte ist kein Einzelfall – Schätzungen gehen von bis zu 80.000 NS-Verbrechern aus, die ihre Identität fälschten und in der BRD unbehelligt weitermachten, unterstützt von alten Seilschaften und Familienmitgliedern. Das »kollektive Beschweigen« des Abgrunds der NS-Zeit deckte vor allem die Täter. Was bedeutet uns diese Geschichte heute? Wie schauen wir auf die Handlungsmöglichkeiten von Menschen in einem politischen System der Grausamkeit, zwischen Erdulden, Mitmachen oder Widerstand? Und wie würden wir uns entscheiden – für welche Version unseres Selbst? Das neue Stück von Nis-Momme Stockmann nimmt den »Fall Schwerte« als Ausgangspunkt für einen Theatertext über persönliche Schuld und Unschuld, politische Verantwortung und Kontinuität.

Infos

Ort Großes Haus
Alter Für alle ab 15 Jahren

Besetzung am 16.01.27, 19:00 Uhr

Regie Nora Schlocker
Bühne und Kostüme Marie Roth
Musik Marco Girardin
Dramaturgie Kerstin Grübmeyer
Licht Patrick Albring

Nichts ist
vorbei,
alles
kommt
wieder.
Dieter Arker