3. Kammerkonzert

Brillanzschwelle

In seiner »Clavier-Übung bestehend in einer Aria mit verschiedenen Veränderungen« - so der Originaltitel der heute so genannten »Goldberg-Variationen« - entwirft Johann Sebastian Bach ausgehend von der Basslinie des Themas ein Kompendium der Kompositionskunst, in dem er deutsche, französische und italienische Traditionen verschmilzt. Im Konzert erklingen für Streichtrio arrangierte Ausschnitte dieses Variationszyklus abwechselnd mit György Kurtágs »Zeichen, Spiele und Botschaften«, die ein fast diametral entgegengesetztes ästhetisches Konzept verfolgen: Extensität trifft auf Intensität. Die Kurtág-Schülerin Rachel Beckles Wilson schrieb über das Stück: »Die Sätze sind kurz. Sie entstanden oft in einem Zug an einem einzigen Nachmittag, als Reaktion auf Nachrichten, eine Stimmung oder einen Gedanken. In ihrer daraus resultierenden Fülle lassen sie sich mit Tagebucheinträgen vergleichen.« Unter den Einzelsätzen befinden sich zahlreiche Hommage-Kompositionen - darunter auch eine »Hommage an J. S. B.« ...
Schuberts »Arpeggione«-Sonate kommt meist als Transkription zur Aufführung, denn das Solo-Instrument, für das die Sonate eigentlich geschrieben wurde, eine Art Streichgitarre, war Anfang der 1820er Jahre ganz neu - und sehr schnell wieder vergessen. Schuberts Sonate dagegen ist quicklebendig und aus guten Gründen fester Bestandteil des Repertoires. Sie erklingt im Konzert in der Fassung für Violoncello und Klavier.
Am Puls der Zeit und knackig kurz präsentieren sich auch die »Fünf Stücke für Streichquartett« von Erwin Schulhoff, die ziemlich genau 100 Jahre später entstanden. Vier der fünf Sätze sind von (Gesellschafts-)Tänzen inspiriert, darunter ein Walzer, eine Milonga und eine Tarantella. Drei Jahre vor der Komposition schrieb Schulhoff an seinen Kollegen Alban Berg: „Ich habe eine außerordentliche Leidenschaft für modische Tänze, und es gibt Zeiten, da gehe ich Nacht für Nacht tanzen (…) allein aus Begeisterung für den Rhythmus und aus unterbewusster Sinnlichkeit … das gibt meiner schöpferischen Arbeit einen phänomenalen Impuls, denn in meinem Bewusstsein bin ich unglaublich erdverbunden, fast bestialisch …“.
 
Programm:
Johann Sebastian Bach
»Goldberg-Variationen« BWV 988 (Auswahl), Transkription für Streichtrio von Dmitry Sitkovetsky
 
György Kurtág
»Zeichen, Spiele und Botschaften« für Streichtrio
 
- - Pause - -
 
António Pinho Vargas
6 Duets for Violin and Viola (German Premiere)
 
Antonín Dvořák
Terzetto, C-Dur für 2 Violinen und Viola op. 74
 
Violine: Tamila Kharambura, Gayoung Lim
Viola: Paul Tulloch
Cello: Shenghan Gao


In dieser von Daniel Wenzel und Paul Tulloch kuratierten Reihe präsentieren Ihnen die
Musiker:innen des Sinfonieorchester Aachen spannende und berührende Programme des Kammermusik-Repertoires.

Mit freundlicher Unterstützung

Infos

Ort Spiegelfoyer

Besetzung am 18.05.26, 20:00 Uhr


Sinfonieorchester Aachen
2. Violine Gayoung Lim / Tamila Ostapivna Kharambura
Viola Paul Tulloch
Violoncello Daniel Wenzel / Shenghan Gao
Klavier Anvar Akbari
Kammerkonzerte: Impressionen aus vergangenen Konzerten
Kammerkonzerte: Impressionen aus vergangenen Konzerten © Sandra Borchers
Kammerkonzerte: Impressionen aus vergangenen Konzerten ( David Kindt, Vicente Bögeholz)
Kammerkonzerte: Impressionen aus vergangenen Konzerten ( David Kindt, Vicente Bögeholz) © Sandra Borchers
Kammerkonzert: Kammerkonzerte: Impressionen aus vergangenen Konzerten (Anastasia Deligiannakis, David Kindt)
Kammerkonzert: Kammerkonzerte: Impressionen aus vergangenen Konzerten (Anastasia Deligiannakis, David Kindt) © Sandra Borchers
Kammerkonzerte: Impressionen aus vergangenen Konzerten (Christina Maria Kausel-Kurz, Stefanie Faust)
Kammerkonzerte: Impressionen aus vergangenen Konzerten (Christina Maria Kausel-Kurz, Stefanie Faust) © Sandra Borchers